Carling Lager Black Label

Carling hat eine recht interessante Geschichte. Der Gründer des Unternehmens, Thomas Carling, wanderte von Yorkshire nach Kanada aus und begann Bier zu brauen. Und wurde dann im Laufe der Zeit zum weltweit 5.größten Brauerei-Unternehmen der Welt , nach vielen Fusionen unter dem Namen Molson Coors (weltweite Beteiligungen an und Besitz von bekannten Brauereien wie Grolsch). Die alte Heimat wurde zurück erobert, schon relativ früh, und heute werden 1 MILLIARDE Pints Carling im Jahr durch die Welt geschickt.

Es handelt sich also eigentlich um ein Anglo-kanadisches Bier. Aber es ist wohl einer der Marktführer in den UK, und wird dort auch gebraut, genauer in Burton-upon-Trent in Staffordshire. Interessanterweise hat dieses Städtchen in der Vergangenheit bereits Einfluss auf die Bierkultur der UK ausgeübt und den Trend weg vom Stout und Porter hin zu Bitter Ales und anderen leichteren Bieren vor fast 1 ½ Jahrhunderten gestartet.

Der eigentliche Name dieses Bieres ist Black Label (siehe Foto), allerdings wurde der Name vor allem in den UK einfach zu Carling verkürzt. Es ist einfacher, im Pub „Hey, inkeeper, tap me a Carling“ zu schreien oder nur „Carling“ stat „Black Label Carling“. Mundfaulheit und Kneipe des alteuropäischen Typus  sind 2 Brüder, die gerne zusammen abhängen.

Carling ist ein Lager Beer. Auch Pils und Export gehören streng genommen zu den Lagers. Daher überrascht der an Pils erninnernde Geschmack auch nicht wirklich. Er ist dem teutonischen Gaumen alles andere als unangenehm. Die Krone verschwindet sehr schnell, aber das ist auch irgendwie typisch Pils aus Dosen (auch bei ohne mit Spüli handgespülten Biergläsern). Der Kohlensäureanteil liegt ebenfalls unter dem eines deutschen Bieres. Daran muss sich mensch wohl gewöhnen, ist irgendwie was kontinental- bzw nordeuropäisches mit den vielen Blubberblasen. Der Geschmack ist etwas feinherb, irgendwie erinnert es an Königsbacher Pilsener, keine Ahnung warum. Besser als viele anderen deutschen Pilsener (wie gesagt, auch nur eine Art von Lager Beer).

Daher ist es ein erfrischendes Bier. Es ist nicht „far out“ und „anders“ und durch die reine psychologische Gewöhnung über Jahrzehnte an den deutschen Geschmack einfach ein „gutes Bier“. Das kann ich auch meinem Vater geben (der allerdings gerne auch Bockbier, Dunkelbier, Weizen etc. trinkt, und auch gerne mal exquisite Sachen wie ein Ducksteiner), der würde glaube ich erstmal gar nicht merken, daß das hier ein angelsächsisches Bier ist. Dementsprechend stellt sich auch eine gewisse Süffigkeit ein. Ich persönlich trinke auch gerne mal mehrere Stout oder Porter, bin mir aber bewusst, daß der „normale“ Bewohner/die Bewohnerin der BRD nicht unbedingt auf die Malz-Hardcore-Attacke steht. Ein Carling aber ist halt einfach ein Bier, welches sich nicht kulturell anpassen muss. Es ist dadurch Party-kompatibel, das wird eigentlich jedem schmecken. Da kann sich mensch auch einen Kasten von in den Keller stellen, falls Besuch kommt. Und es beweist: Auch die Kooperation Kanada/UK kann für sehr gute, grundsolide und erfrischende Biere sorgen.

Auf einer Skala von 1-10 eingeordnet ist es sehr schwer, dieses Bier zu bewerten. Denn einerseits ist es nix besonderes, andererseits ist das gute Braukunst und grade für einen Westfalen im Exil irgendwie durchaus “heimisch” schmeckendes Bier. Besser als Bitburger zB auf jeden Fall. Auch frischer als sogar Becks, welches ich durchaus gerne trinke wenn kein Jever da ist. Es hat nur 4% Alkohol, vielleicht ist es deswegen so frisch und trinkbar. Ich gebe dem Carling Black Label eine gute 7,5. Und das, obwohl es nicht überraschend schmeckt. Oder eher, eben weil es einfach ein gutes „normales“ Bier ist. Für eine Party mit Freunden, welche eher nicht auf ausgefallenere Geschmackserlebnisse stehen, würd ich sogar eine 8 nehmen. Aber für den Freund von Erlebnissen dann doch eher eine 7,5.

Tennents Super Strong Lager

Hier mal ein schottisches Bier. Auch ein Lager. Blind aus dem Kühlschrank gefischt. Tennent, genauer gesagt die Wellpark Brewery in Glasgow, ist in Schottland der Marktführer mit ca. 60%. Und das Super Strong mit 9% Alkohol eine extrem starke Version. Starkbier ist nicht jedermanns und erst recht nicht jeder Fraus Sache. Schon ein Elephanten mit 7,5% ist vielen zu stark. 1740 wurde die Brauerei gegründet, gehört aber mittlerweile zum US-belgischen Weltmarkt-Player Anheuser Busch. Ich muss gestehen, daß ich mich nicht bewusst an schottisches Bier erinnern kann, daher ist das vielleicht eine Premiere.

Die Krone ist auf jeden Fall recht ausgeprägt. Mehr als zB beim Carling davor. Die Farbe ein wenig bernstein-mäßiger, fast golden-feurig. Es riecht nach Lager. Nicht ganz so intensiv wie das Carlsberg Elephanten, was mir bei Starkbier immer am ehesten einfällt. Und das trotz der 1,5% mehr an Alkoholgehalt Ich habe schon desöfteren auch Biere getrunken, welche auch um die 9% lagen. Diese waren fast alle ungenießbar für meinen Gaumen. Zu extrem im Geschmack.

Kohlensäure ist auch hier Mangelware. Aber das ist nichts schlimmes.

Kommen wir zum wichtigsten: Der Geschmack. Und der ist überraschend. Nach den erwähnten eher negativen Erfahrungen mit Starkbieren um die 9% ist dieses Bier eben nicht aufdringlich. Sicher, die mich immer an Portwein erinnernde Geschmacksnote von Starkbier, ist auch hier vorhanden. Aber es ist bei weitem nicht so schwer. Der Vergleich mit dem nordischen Rüsseltier drängt sich hier auf. Allerdings schmeckt das Tennents doch besser. Irgendwie malziger, frischer, runder. Dadurch ist es trotz der 9% süffiger. Schön eisgekühlt (was bei Starkbier noch wichtiger ist als bei normalem Lager, Ale etc) durchaus erfrischend. Sehr sehr lecker. Sicher, süsses Zeug, Malzzucker extrem ausgeprägt, aber eben nicht zu „heavy“.

Dieses Bier ist bestimmt nicht für jede/n zu empfehlen. Wer gerne Starkbier trinkt, der oder die sollte dem Tennents mal eine Chance geben. Denn mich überrascht es sehr wohl. Ein gutes Bier, und ein Beweis für das brautechnische Handwerk Schottlands.

Auf einer Skala von 1-10 kriegt das Tennents Super Strong eine 8,5. Freunde von Starkbier können noch mal 0,5 Punkte hinzu addieren. Dieses Tennents Super Strong bleibt gewiss nicht mein letztes.

Hinweis: Beide Biere wurden bei English Shop Cologne bestellt, die diese auch prompt innerhalb von 48 Stunden nach Bestellung im Web Richtung Kühlschrank geliefert haben.