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Ich stand vor der Wahl, einen kleinen niedrigen dreistelligen Betrag für die technische Überholung meiner bereits vorhandenen Gitarren auszugeben, entweder die SG oder die Strat, oder aber für denselben Betrag mich einmal umzuschauen, was denn der Markt um die 200 Euro hergibt. Allerdings, da ich notorisch pleite bin, war das erst mal nur schnuppern.

Erst habe ich, wie viele andere auch, bei dem „großen T“ geschaut. Aber nichts gefunden, was mich auf Anhieb überzeugen würde.  Da kam das Musikhaus Kirstein auf mich zu. Von denen habe ich bereits einen sehr günstigen Bass gekauft, der mich seit Ende Februar begleitet. Das ist ein klasse Teil, und schon so mancher, der gefragt hat „Kann so was für 100 Euro klingen?“ war überrascht ob der Spielbarkeit und des Sounds des Instruments.

Als Bauform liegen mir persönlich doch eher Strats (und auch SGs), also war  ich von der (Les Paul-Fetischisten mal weghören) klassischsten aller Bauformen schnell begeistert. Die mir von Kirstein zum Review angebotene Rocktile Pro ST450-WK sollte es also sein. In der Farbe „black cherry“. Mit Perlmutt-Schlagbrett. Ein Freund meinte zwar nach dem Anschauen eines Fotos „hübsch aber irgendwie Tanzmucker-mäßig“, ich fand es aber sehr klassisch rockig. Also her mit dem Ding .

36 Stunden später, nachdem ich von der Arbeit kam, lag das Instrument sehr gut verpackt (wie der Bass auch) vor meiner Tür. Daher schon mal volle Punktzahl für die Lieferung von Musikhaus Kirstein.  Flugs ausgepackt, die Schutzfolien entfernt, kurz gestimmt (war nicht viel nötig, war schon sehr gut vorgestimmt, das sind so kleine Dinge die ich mag) und kurz mal angetestet.

Der Hals aus kanadischem Ahorn (22 Bünde) ist extrem gut bespielbar. Das hatte ich so von einer 200 Euro-Gitarre nicht erwartet. Ein sehr angenehmes Gefühl, vor allem mit der fast 40 Jahre alten SG verglichen (abgerockt halt). Die ganze Gitarre fühlt sich sehr wertig an, die Gewichtsverteilung empfinde ich als sehr ausgewogen, aber wie gesagt, ich mag Strats, auch und vor allem wegen dieses Faktors. Der Korpus ist übrigens aus Linde und macht einen sehr guten Eindruck, vor allem der Lack.

Ja, der Lack. Black Cherry nennt sich die Farbe. Bei Lichteinfall ist es recht hell, aber bei indirekterem Licht erkennt man, dass es Richtung „Paradiesapfelrot“ geht, ein tiefes, sattes Rot mit Metallic-Partikeln. Ich finde diesen Look sehr edel und aufgrund der Effektlackierung ist dies auch eine Farbe, die dynamisch ist und nicht langweilig wird. Das Perlmutt-Style Schlagbrett sieht alles andere als „Tanzmucker“ oder „cheesy“ aus, das gefällt.

Wenn wir schon in dieser Region sind, die Gitarre kommt nicht mit irgendwelchen in China billig geklöppelten Pickups, sondern mit den Einsteigern von Lace! Lace, deren damaliges Flaggschiff, der Lace Sensor von Don Lace, dem Firmengründer, auch Fender exklusiv von 1987 bis 1996 verbaute.  Lace, die Tonabnehmer, die Billie Corgan von Smashing Pumpkins für seine Wall of Sound benutzt, die ein Ritchie Blackmore, Jeff Beck und sogar The Edge spielten und teilweise immer noch spielen. Auch wenn hier natürlich nicht der Lace Sensor, sondern ein Einsteigersystem integriert ist, wow, für den Preis Marken-Pickups, das ist tatsächlich klasse. Ein Humbucker und zwei Single Coils sorgen hier für den guten Sound. Aber dazu nachher mehr.

Die Potis, der 5 Way-Pickupschalter, alles Bestens. Nur der Humbucker-Splitschalter hat leider ein wenig gewackelt. Aber nach wenigen Sekunden war das Problem auch beseitigt. Unschön fand ich es trotzdem. Das lag wohl an der Begeisterung des Anfangs, die dann so eine Kleinigkeit extremer auffallen lies.

Das Tremolo-System ist ebenfalls Markenware. Ja, ich weiß, musikalisch korrekt ist Vibrato-System, da Tremolo sich auf die Lautstärke bezieht. Aber es hat sich halt Tremolo durchgesetzt. Es handelt sich um ein Wilkinson-System, schaut mal beim großen T was das alleine schon kostet ;) . Tremolo/Vibrato ist ja immer eine Frage des Glaubens, ich persönlich benutze es auch selten. Daher ist mir diese „Floyd Rose oder nix“-Frage auch egal. Die Wilkinson-Tremolohebel werden nicht eingedreht, sondern eingesteckt. Macht die Sache recht einfach, aber Achtung, der kann auch mal rausfallen :D Er funktioniert aber sehr sehr gut.

Kommen wir zum Wichtigsten: Der Sound. Ein kurzes Kabel liegt übrigens bei, ich habe aber mein „altes“ einfach in die neue Gitarre eingestöpselt. Auf der anderen Seite steckt das Kabel in einem USB-Audiointerface mit Hi Z-Instrumenteneingang. Preamp brauch ich nicht. Als Amp benutze ich eh seit Jahren nur noch Software (Amplitube und Guitar Rig), da ich einfach mehr Möglichkeiten habe mit einer solchen Konfiguration. Also Rechner an und einfach mal clean gespielt. Das Clean-Signal sagt ja am meisten aus. Und wieder eine positive Überraschung: Die Lace-Tonabnehmer geben in jeder Einstellung einen sehr guten Klang ab. Rauschen? Nö.

Durch die Humbucker mit 2 Single Coils-Konfiguration ist die Gitarre auch je nach Gusto und Einsatz gut einstellbar via 5 Way Pickup-Schalter und Humbucker-Splitschalter. Eins aber war am Überzeugendsten: Der Sound klingt unverkennbar nach Strat. Nach einer guten Strat. Toll! Die Saiten sind übrigens alles andere als „superbillig“, auch wenn sie ausgetauscht werden auf Dauer, ich fand sie sehr gut spielbar und auch klanglich sehr ordentlich.

Aber nach dem Clean-Test kam der Amp-Test. Ob klassisch Vox Rock-Sound (passt halt super), Effektsounds a la The Edge, Ultrahighgain Metal Core, Oldschool Hardcore-Setups, Indierock-Setups, alles klingt sehr gut. Selbst die brutalen Death Metal-Ensembles aus Amplitube waren sehr sehr nett. Im Übrigen, dank des sauberen Clean-Sounds waren auch die  Endsounds aus den Software-Amps besser als mit den schon betagten Pickups der alten Klampfen hier. Sehr sehr sehr nice! Auch wenn natürlich nicht ganz so bratzige, „hohe“ Sounds genau das Ding für dieses Instrument sind, was bauartbedingt ja nicht verwundert. Surfsounds oder das, was früher „Indierock“ genannt wurde mit der ST450, wow…

Kommen wir zur Übersicht mit Kurzbewertung:

+ Hals sehr gut bespielbar (Ahorn, 22 Bünde)

+ sehr angenehmer Body (Linde)

+ tolle Farbe (Cherry Red / metallic)

+ Marken-Tonabnehmer von Lace mit unschlagbarem  Sound für den Preis!

+ Wilkinson Vintage String Thru Tremolo/Vibrato

+Versand superschnell

-  Humbucker-Splitschalter war locker (aber das ist jetzt echt meckern auf hohem Niveau!)

Alles in allem: 200 Euro für ein Instrument aus gutem Holz, in guter Qualität, mit Markenhardware, super bespielbar, schöner Sound: Yeah!

Hier mal 3 kurze Demos (2 mit verzerrten Sounds, 1 fast clean) der Gitarre:

Rocktile Pro ST450 Demo Volles BRett irgendwie 90er skandinavischer New School Hardcore, da werd ich auch noch irgendwann raus nen ganzen Track machen.

Rocktile Pro ST450 Orange Micro Terror auf möglichst clean (so clean das halt geht ;) )

Alle Gitarrensounds aus der ST450, Bass aus dem Rocktile FatBoy II, Drumloop auf der Platte gefunden ;) oder aber Superior Drummer, Amps alle Amplitube 3, Recording mit Presonus Studio One direkt über den Hi Z-Instrumenteneingang eines ESI U46XL-USB Interfaces, ohne weitere Bearbeitung, einfach nur bissl rumgespielt. 

Zum Stöbern seien die Präsenzen im Internet des Musikhauses Kirstein empfohlen, der eigene Onlineshop ist ebenfalls sehr empfehlenswert:

Musikhaus Kirstein im Internet

Musikhaus Kirstein auf Facebook

Musikhaus Kirstein auf Google Plus (dem verdammt besten Social Network der Welt!)

Kleines Update nach mehreren Wochen:

Immer noch ein klasse Teil, ich mag sie immer noch sehr sehr gerne. An dem Urteil hat sich nix geändert. Und auch nach stundenlangem Schredden (das kann ich besser als virtuos spielen, Punk und Hardcore und düsterer Indierock/Postpunk liegt mir halt am meisten) ist sie noch perfekt. Auch das Stimmverhalten etc. hat mich überzeugt. Nächste Woche kommen dickere Saiten drauf und dann ab damit in tiefere Drop-Regionen, mal schauen was das gibt :D .

Und noch ein Photo meines Warwick Rockstands mit dem ganzen Gerödel:

Ganz vorne die Rocktile ST450, dahinter der Rocktile Fatboy Bass, dahinter eine Rocktile ST60, dahinter eine Pearl SG 1977 (die heute als Schlagzeugerhersteller bekannte Firma Pearl hat in den 70er sehr edle dreiste Gibson-Kopien gemacht für ca. 1000 DM, bis Gibson seine Anwälte geschickt hat, ist immer noch recht viel wert, aber ein Humbucker nach fast 40 Jahren hin, hab ich seit so 15 Jahren), dann eine ehemalige Billig-Squier Strat (die werd ich mal relicen, Photos stell ich mal rein hier, brauch noch Schleifpapier, Klarlack und einige andere Dinge :D ) und ne DDR-Akkustikklampfe. Leider ist meine Hohner Professional Flying Devil (eine geniale Flying V-Kopie des deutschen Herstellers, damals neu gekauft vor 25 Jahren fast für über 1000 DM) gestorben vor einigen Jahren. Aber die hätte wegen der Form eh nicht in den Ständer gepasst :D 

Arturia hat nach vielen Synthesizer-Plugins ja nun einen echten Analogen am Start. Und Katsunori Ujiie ist eh der most awesome Typ, um Video-Demos von Synths zu machen. Hier ein Review des Minibrute von wohl YouTubes bestem Synth-Demoisten (neben dem großen Retrosound). Wer Synthesizer mag, wird das Video lieben :D

Tolle Kiste übrigens. Ein echter Analoger mit vielen Features und bösem Biss für unter 500 Schleifen? Wahnsinn!

 

Die GEMA hat ja jetzt ihre Jubelperser unter das Volk geschickt, um die Proteste gegen diese unsäglichen Tarifreform, aber auch die GEMA an sich, zu “entkräften”. Anscheinend aber glaubt die GEMA, die Menschen seien doof… Ihre demokratiefeindlichen Ansätze (a la “leider können die Demonstrationen nicht verboten/verhindert werden” *würg*) sprechen ja auch Bände…

Christoph Schaddach hat auf Google Plus dazu folgende Beispielrechnung gemacht, die ich mit freundlicher Genehmigung des Autors hier mal poste:

GEMA Tarif nachgerechnet :
von Christoph Schaddach

Die Gema freut sich auf heutige Demonstrationen, und hat ihren Mitglieder ein Argumentationsblatt  gegeben, um etwaige Gegner zu verunsichern. Zentrale Behauptung darin ist, das man nie mehr als 10% der Eintrittsgelder wolle.

Das kann schon mal nicht stimmen, denn würde dann ein Club, der 0 Eintritt verlangt – wie etliche im früheren Münchner Kunstpark Ost – ja gar nichts zahlen ? ^^ Also wird ein Mindesteintritt von 2€ zugrunde gelegt, ob er erhoben wird oder nicht. Bei mehr kostet es dann mehr, und das alles multipliziert mit Quadratmetern, das soll das neue Prinzip sein.

Nerdiger, als weiter auf das Flugblatt einzugehen, finde ich es, direkt den Tarif anzuschauen:
https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Tarife/Tarife_ad/tarif_m_v.pdf

Bei  2 € Eintritt oder weniger soll z.B. bei einem Club von 700 qm (incl. Nebenflächen) dann 110 + 22 +-22 = 154 € pro Abend verlangt werden. Mal vielleicht 25 Öffnungstage sind das dann 3850 € im Monat. Abzüglich 10% Vorauszahlungsrabatt dann 3465 €. Das ist dann vielleicht so viel wie 2 Kassenleute, oder 1-2 preiswerteste Türwächter oder DJ´s. Und wohl weniger als die Miete – aber wenig ist es auch nicht.

Wenn nun werktags nur wenig Leute kommen, z.B. 100, zahlen die 100 x 2 = 200 € Eintritt,
und am Wochenende dann 250 x 2 = 500 € Eintritt,
gibt als Mischkalkulation 17 x 200 + 8 x 500 = 7400 € Eintrittseinnahmen.

Das da ist kaum mehr als das Doppelte der Gema – Gebühren.

Kommen werktags 200 und wochenends 500 Leute, immerhin das 4,2 fache.

und damit die Gema – Gebühren nur 1/10 wären,
müssten werktags 500 und wochenends 1250 Leute kommen, was bei 700 qm (incl.Nebenflächen und Toiletten) schlecht geht – es sei denn sie tanzen nicht. Na ja, in U-Bahnen gehen auch 4 Stehplätze pro qm…

Auch eine Härtefallregelung hilft da nicht, da auch sie obige Gebürensätze nicht unterschreiten soll,

Nun will sich obiger Club ja auch maximal Gema Gebühren sparen, indem er seine Eintrittsgelder auf das Minimum senkt. also rechnen wir 5 € Eintritt durch: kostet bei 700 qm:

150+30+30 (basis) +( 70*3 ) =7420 € abendlch
* 25 Tage=10.500 € im Monat
-10% Vorauszahlungsrabett=9.450 € / Monat

und wenn er 10€ Eintritt verlangt,
sind es zusätzlich 70 *5 = 350 € aben
*25 Tage – 10 % Vor.Z. Rabatt = 7875 €
und die vorherigen auch noch = 17.325 € / Monat.

was man dafür für Arbeitsplätze schaffen könnte !

Also stellen wir fest: Es wurde immerhin versucht, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit teilweise zu berücksichtigen, mit der Staffelung nach Eintrittsgeldern. So zahlt die “top-location” mehr als die Kleinstadtdisco. Aber erste hat auch mehr teure Getränkekonsum – Gäste,  während bei letzterer etliche Gäste schon “vorgeglüht” kommen, um das zu vermeiden.

Und die Höhe dürfte für etliche Betriebe wirklich existenzgefährdend sein. 3500 – 9500 – 17.500 “überflüssigen” Gewinn bleiben nicht bei jedem Gewerbebetrieb so einfach monatlich übrig. Und wo nicht gibt es dann weniger Jobs und weniger Freizeitangebote.

Und wozu ? Laut gestrigem Beitrag von https://plus.google.com/u/0/112533132246191062650/posts/RFXtXa56GeL  +DR-Radio auf G+ will die Gema in Zukunft 120 schwarze Boxen in Discos aufhängen, vielleicht auch um endlich einen Techno-Anteil zu ermitteln, weil bislang haben Techno-Komponisten nahezu null bekommen. (es wurde nur nach Radio und CD´s gerechnet, wo techno eben nicht läuft). Aber warten, bis man es intern schafft, diese zu berücksichtigen, und DANN erst über höhere Gebühren nachzudenken, ist wohl nicht.

(Ende des Posts von Christoph Schaddach).

q.e.d. CETERUM CENSEO GEMA ESSE DELENDAM!

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